Es war kein Aprilscherz, als am Samstag, den 1. April 2006 die Schlagzeile auf der Sportseite der HNA lautete: „Europapokal geht nach Homberg“.
Denn die Tischtennisspielerinnen der HTS hatten am Abend zuvor ihre Träume und das Wunder von Berlin wahr gemacht: Nach dem 3:0 Sieg im Hinspiel gegen den Ligarivalen 3B Berlin reichte dem Bundesliga-Aufsteiger in der Hauptstadt eine 2:3- Niederlage, um sich denPokal der Europäschen Tischtennisvereinigung (ETTU) zu sichern. Vater dieses Wahnsinnserfolgs vor 20 Jahren war Abteilungsleiter, Manager Volker Koch. Wir sprachen mit ihm über das Jubiläum.
Herr Koch, wo ist der Pokal?
In meinem Arbeitszimmer. Ich wollte ihn längst ins Rathaus zurückgeben, habe aber von der Stadt Homberg noch keine Rückmeldung bekommen.
Wie präsent ist Ihnen dieses außergewöhnliche Ereignis?
Sehr präsent und sehr nahe. Ich muss häufig daran denken und werde immer wieder darauf angesprochen. Es war der sportliche Höhepunkt in meinem Leben und ich würde den Weg dahin immer wieder genauso gehen.
Stimmt Sie das 20-jährige Jubiläum da noch besonders feierlich?
Nein. Das hat eigentlich keine große Relevanz.
Gibt es in diesen aufregenden Finaltagen zwischen dem Hinspiel am 10. März 2006 und dem Rückspiel dem 31. März 2006 einen ganz besonderen Moment, der für Sie alles überstrahlt?
Ja, als im ersten Finalduell der 3:0-Sieg von Anna-Janta Lipinski gegen Tanja Hain-Hoffmann feststand.
Warum?
Weil dieser Sieg gegen die spätere Deutsche Einzelmeisterin eine absolute Sensation war. Im vorausgegangenen Bundesliga-Duell hatte Anna noch mit 0:3 verloren. Außerdem machte ihr Coup unseren 3:0-Hinspielsieg perfekt. In diesem Moment war ich mir sicher, dass wir den Pokal holen würden.
In diesem Moment haben Sie und die Mannschaft auch alle Experten widerlegt, die Berlin aufgrund der Ranglistenplätze ihrer Spielerinnen und deren internationale Erfahrung als klaren Favoriten ausgemacht haben. Wie sind Sie mit der Außenseierrolle umgegangen?
Uns konnte gar nichts Besseres passieren, denn die hat uns von jeglichem Druck befreit, mit dem die Berlinerinnen umgehen mussten.
Letztlich fokussierte sich die finale Entscheidung in der Hauptstadt fast filmreif auf einen einzigen Punktgewinn von Wendling Tan-Monfardini gleich im ersten Einzel gegen die Materialspielerin Bao Di. Wie haben Sie den verwandelten Matchball zum 11:8 im dritten Satz (nach 11: und 11:6) erlebt?
Genau daran kann ich mich, warum auch immer, nicht mehr erinnern. Ich weiß nur, dass ich so nervös war, dass ich während der ersten beiden Sätze die Halle verlassen habe. Und wir uns nach diesem verwandelten Matchball einfach nur in den Armen lagen und sich dann im gemeinsamen Jubel die ganze Anspannung entlud.
In diesem zweiten Finale kam etwas überraschend Yin Na für die im ersten Vergleich überragende Janta-Lipinska zum Einsatz. Um ihre herausragende Rolle beim Aufschwung des Homberger Damentischtennis, der in diesem Europapokalsieg gipfelte, zu würdigen?
Nein, das war reine Taktik und abgesprochen mit Trainer Wang Zhi. Wir sind davon ausgegangen, dass Berlin statt Hoffmann Ba Di aufstellen würde. Und diese Abwehrspezialistin lag Yin Na einfach besser.
Und wie haben Sie und die Mannschaft das Wunder von Berlin gefeiert?
Erst in der Halle und dann im Hotel und einige Spielerinnen auch noch in einer Berliner Diskothek, wo sie die Nacht durchgemacht haben. Ich selbst war im Morgengrauen im Bett.
RALF OHM
